2. Tag der Interdisziplinarität

Einblicke in die Forschung am 5. November 2018

Der 5. November 2018 stand im Zeichen der interdisziplinären Forschung an der TU Darmstadt. Bereits zum zweiten Male veranstaltete das FiF einen Tag der Interdisziplinarität mit einer Vielzahl von Angeboten.

Programm hier zum download.

Impressionen

Der vom Forum interdisziplinäre Forschung der TU Darmstadt (FiF) am 5. November 2018 nach 2016 zum zweiten Male veranstaltete „Tag der Interdisziplinarität“ bot über dreißig interdisziplinären Forschungsprojekten und –verbünden an der TU Darmstadt die Gelegenheit, in einer Ausstellung im Karo5 ihre Arbeiten zu präsentieren und Interessierten Einblicke in ihre Forschungsarbeit zu geben. Ein Angebot zum wissenschaftlichen Austausch über disziplinäre Grenzen hinweg, das als durchaus ergiebig und wertvoll von denjenigen wahrgenommen wurde, die die Offerte annahmen und für die die Veranstaltung gedacht war – seien es Kolleginnen und Kollegen, Nachwuchswissenschaftler oder fortgeschrittene Studierende. Wer, aus welchen Gründen auch immer, die Schau versäumt hat, hat im übrigen die Möglichkeit, sich anhand des vom FiF herausgegebenen Ausstellungskatalogs über die aktuelle, in ihrer Bandbreite beeindruckende interdisziplinäre Forschungslandschaft an dieser Universität zu orientieren. Der Katalog kann über das FiF bezogen werden.

Flankiert wurde die Ausstellung im Karo5 von zwei Begehungen und Workshops. Die Begehung der HUMVIB-Bridge auf dem Campus Lichtwiese (ein FiF-gefördertes Projekt unter der Leitung der Professoren Seyfarth und Schneider) diente zur Veranschaulichung und Messung der Schwingungen, die beim Überqueren einer Brücke entstehen. Alle Teilnehmer der Begehung hatten die Möglichkeit, die Brücke zu begehen. Sie besteht aus einer ca. 15 Tonnen schweren Konstruktion, im wesentlichen aus zwei langen Stahlträgern, auf denen Betonblatten angebracht sind. In der Mitte der Brücke befinden sich Meßgeräte, die die unterschiedlichen Schwingungen messen. Läuft man in der Mitte der Brücke von einem Ende zum anderen, treten für den Begeher spürbare vertikale Schwingungen auf, die jedoch kleiner als die Erdbeschleunigung (1G) sind. Begeht man die Brücke außen an den Rändern, treten vertikale und horizontale Schwingungen auf, die (theoretisch) größer sein können als die Erdbeschleunigung. Wenn Schwingungen auftreten, die größer als die Erdbeschleunigung sind, heben sich die Betonplatten auf den Stahlträgern der Brücken ab. Die Folge: die Brücke nimmt Schaden bzw. stürzt teilweise ein. Deshalb mußten die Begeher der Brücke bei zu starken Schwingungen der Brücke kurz auf ihr stehen bleiben und warten, bis die Schwingungen geringer waren, um die Brücke nicht zu beschädigen. So wurde konkret erfahrbar, dass nicht nur die Statik, sondern auch die Dynamik bei der Brückenkonstruktion beachtet werden muss. Ein prominentes Beispiel, wo diese Erkenntnis nicht genutzt wurde (oder dieser Zusammenhang noch nicht bekannt war), ist die Tacoma Narrows Bridge im US-Bundesstaat Washington: aufgrund von Schwingungen, die durch starken Wind nach einem Unwetter ausgelöst worden waren, stürzte sie 1940 nach nur kurzer Betriebszeit ein.

Die Begehung im Institut für Psychologie bot Einblicke in das von den Professoren Kalveram und Kupnik geleitete FiF-Projekt CompLEx zum Thema Selbst-Fremdunterscheidung und Mensch-Roboter-Kooperation. Kooperation ist jedem geläufig, menschliche Lebensvollzüge sind gar nicht denkbar ohne sie – das isolierte cartesische Ich ist eine zu verabschiedende Fiktion, denn Selbstbezug gibt es nicht ohne Bezug zum Anderen. Indes ist immer noch nicht zureichend erforscht, wie Kooperation zwischen Menschen wirklich funktioniert. Die Absichten des Anderen sind über Haptik und Mimik zu entschlüsseln, menschliche Handlungsabsichten werden psychisch erfaßt, verarbeitet und ausgewertet. Von da aus stellt sich dann auch die Frage, wie bzw. inwieweit ein Roboter Kooperationspartner des Menschen sein kann. Diese Frage sucht das interdisziplinäre Forschungsprojekt an der Schnittstelle von Elektrotechnik (Meßtechnik) und Psychologie zu klären. Anschaulich wurde dies für die Teilnehmer durch einen Versuchsaufbau, bei dem die Probanden mit dem Arm horizontal einen Hebel bewegen, indem sie einem von ihnen projizierten Lichtsignal folgen. Auf den Hebel greift zusätzlich ein mit künstlicher Intelligenz gesteuerter Motor zu; wird ein von dem Motor ausgehender Kraftimpuls bemerkt, drückt der Proband einen Schalter. Der Versuch sollte beispielhaft zeigen, wie die menschliche Kraftschwelle durch Reaktion auf mechanische Impulse des Roboters gemessen wird.

Die Workshops gaben zum einen Einblicke in Genese, Fortgang und konkrete Probleme interdisziplinärer Forschung (am Beispiel des Projekts BAMP!, eines aus einem FiF-Projekt hervorgegangenen LOEWE-Verbundprojekts). Prof. Ariel Auslender und sein Mitarbeiter Fabian Luttropp verwiesen dabei nicht nur auf technische Probleme – die Auswahl und Herstellung einzelner Elemente, die Schwierigkeit, Papier langlebig, d.h. vor allem wasser- und feuerfest zu fabrizieren. Wo verschiedene Disziplinen aufeinander treffen – in diesem Falle Architektur, Maschinenbau und Chemie –, stellt sich als grundsätzliches Problem die Aufgabe, eine Sprache zu finden, die der jeweils Andere versteht. Insofern bot der Workshop zu diesem Projekt eine in jeder Hinsicht nicht nur unterhaltsame, sondern auch informative Lehrstunde in Sachen Interdisziplinarität. Damit interdisziplinäre Anträge gelingen , bedarf es indes auch eines Wissens um zu beachtende, grundlegende Parameter der Forschungspolitik: Wer ist auf welcher Ebene der passende Adressat für einen Forschungsantrag? Wie ist ein Konsortium sinnvollerweise zusammenzusetzen? Hierzu gab im zweiten Workshop Von der Forschungsidee zum Verbundprojekt Prof. Mühlhäuser wertvolle Hinweise und Ratschläge aus eigener, vieljähriger Erfahrung.

Zum Ende des Tags aber galt es vor allem zu feiern. Denn der zweite „Tag der Interdisziplinarität“ fand genau zehn Jahre nach Gründung des FiF statt, und so gab es Anlaß für einen kleinen Festakt im Wilhelm-Köhler-Saal. Führte der „Tag der Interdisziplinarität“ im Jubiläumsjahr des FiF eindrücklich vor Augen , was sich konkret mit Interdisziplinarität bzw. Interdisziplinaritäten verbindet, so ist doch eine Institution wie das FiF, wie Prof. Petra Gehring in ihrem Festvortrag beinahe mahnend formulierte, auch sorgsam zu pflegen. Denn die kreativen Potentiale einer Universität bedürfen immer wieder auch kluger, kritischer und nicht immer bequemer Denk-Anstöße. Das ist und wird auch weiterhin genuine Aufgabe des FiF an der TU Darmstadt sein.

9:00 bis 15:00 Uhr Campus Stadtmitte in der Lounge des Karo 5, Karolinenplatz 5

Unter dem Stichwort „Interdisziplinärer Forschung begegnen“ hatten sich mehr als 35 Forschungsgruppen zur Präsentation ihrer Projekte angemeldet. Sie gaben Einblicke in ihre Arbeiten an der TU Darmstadt und standen für Gespräche bereit.

Messeplan und Ausstellerliste hier zum download.

Aussteller

Sonderforschungsbereiche:

01: SFB 1245 Profilbereich MARS
Nuclei: From Fundamental Interactions to Structure and Stars
02: SFB 1194
Wechselseitige Beeinflussung von Transport- und Benetzungsvorgängen
03: SFB 1119
CROSSING – Cryptography-Based Security Solutions Enabling Trust in New and Next Generation Computing Environments
04: SFB 1053
Das Future Internet aus Darmstadt: adaptiv, flexibel und nachhaltig
05: SFB 805
Mathematische Optimierung mechanischer Sensorelemente

Transregios:

07: TRR 154
Mathematische Modellierung, Simulation und Optimierung am Beispiel von Gasnetzwerken
08: TRR 150
Turbulent chemisch reagierende Mehrphasenströmungen in Wandnähe
09: TRR 129
Oxyflame – Entwicklung von Methoden und Modellen zur Beschreibung der Reaktion fester Brennstoffe in einer Oxyfuel-Atmosphäre
10: TRR 75
Tropfendynamische Prozesse unter extremen Umgebungsbedingungen

DFG-Schwerpunktprogramme:

11: DFG-SPP 1613
Regenerativ erzeugte Brennstoffe mittels lichtgetriebene Wasserspaltung
12: DFG-SPP 1740
Simulation reaktiver Blasenströmungen
13: DFG-SPP 1496
RS³ – Reliably Secure Software Systems

DFG-Graduiertenkollegs:

15: DFG-GK 2128 Profilbereich MARS
Accelerator Science and Technology for Energy Recovery Linacs
16: DFG-GK 2050
Privatheit und Vertrauen für Mobile Nutzer
17: DFG-GK 2222
KRITIS – Interdisziplinäre Forschung zu Kritischen Infrastrukturen
18: DFG-DSC 1070
Darmstädter Exzellenz-Graduiertenschule für Energiewissenschaft und Energietechnik

LOEWE Schwerpunkte:

19: iNAPO – Nanoporen für Medizin- und Umwelttechnologien
20: CompuGene – Computergestützte Verfahren zur
Generierung komplexer genetischer Schaltkreise
21: BAMP! – Bauen mit Papier
22: RESPONSE – Ressourcenschonende Permanentmagnete durch optimierte Nutzung seltener Erden
23: Software-Factory 4.0

Excellenz-Initiativen:

24: XELERA Technologies
25: ArgumenText – Argumentextraktion aus großen Textmengen

FiF-geförderte Projekte:

26: HUM_VIB
27: KRITIS
28: TU meat&move
29: JUMP
30: The art of delivery
31: CompLEx
32: Photonische Kistalle
33: 3D Stammzellen
34: Druckbare Biosensoren
35: SuBiTU
39: BIMROB

Weitere Projekte und interne Förderer:

36: Panda – Parallelstrukturen, Aktivitätsformen und Nutzerverhalten im Darknet
37: Pioneer Fund „FibrinoQuick – Ein enzymatischer Schnelltest zur Bestimmung von Fibrinogen
40: IANUS
41: HIGHEST
42: Hessisches Kompetenzzentrum für Hochleistungsrechnen

Der Messekatalog zum 2. Tag der Interdisziplinarität kann ab sofort im FiF erworben werden.

Titelseite Messekatalog 2018

Workshop I 14:30 Uhr – 15:30 Uhr im 2. OG S1|03 Raum 209

Bauen mit Papier – vom Instant Home zu BAMP!

Unter der Leitung von Prof. Ariel Auslender und Dipl.-Ing. Fabian Luttropp (Fachbereicht Architektur, Plastisches Gestalten) beschäftigte sich dieser Workshop mit dem Thema „Best Practice – Beispielhafte interdisziplinäre Projekte für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler“ und u.a. folgende Fragen aufgreifen: Welche Merkmale machen ein gutes interdisziplinäres Projekt aus? Wo sind Fallstricke für interdisziplinäre Projekte? Welche Schwierigkeiten galt es im Projekt zu überwinden?

Workshop II 15:30 Uhr – 16:30 Uhr im 2. OG S1|03 Raum 209

Von der Forschungsidee zum Verbundprojekt

Ein weiterer Workshop unter der Leitung von Prof. Max Mühlhäuser (Fachbereich Informatik, Telecooperation) hat sich auf das Thema „Von der Forschungsidee zum Verbundprojekt“ bezogen Hier ging es unter anderem um folgende Fragen: Was macht eine gute Forschungsidee aus und wie entwickelt man diese weiter? Welche Strategien für eine Drittmittel-Akquise sind erfolgversprechend? Welche Vernetzungsstrategien sind hilfreich?

Zur Teilnahme an den Workshops (Stichwort Workshop I und Workshop II) haben wir um Anmeldung unter folgendergebeten. Die (begrenzten) Plätze wurden nach Eingang der Anmeldungen vergeben.

Begehung I „Experimentelle Untersuchungen an der im Rahmen des Projektes entwickelten HUMVIB Bridge“

„Erfahren Sie mehr über das Messen der Strukturantwort einer Brücke am Beispiel der HUMVIB. Neben der Aufzeichnung mit konventionellen Sensoren, können Sie selber beim Überqueren der HUMVIB das dynamische Verhalten erleben.“

Wo: Campus Lichtwiese – L5|06 Institut für Statik und Konstruktion (ISM+D)
Wann: 10 Uhr, Dauer der Führung ca. 30 Min.
Leitung: Hagen Berthold M.Sc.

Zur Teilnahme an den Begehungen (Stichwort Begehung I und Begehung II) haben wir um Anmeldung bis zum 26. Oktober unter folgender gebeten. Die (begrenzten) Plätze wurden nach Eingang der Anmeldungen vergeben.

Begehung II „Über Selbst-Fremd-Unterscheidung und Mensch-Roboter-Kooperation“

Kooperation als Selbst-Fremd-Interaktion heisst:

Angenommen, die Partner bedienen gemeinsam ein „Werkzeug“ und wenden die Strategie der intermittierenden Autonomie an (Umschalten zwischen aktiv führen und sich passiv führen lassen). Übersteigt der im Mittel so erreichte Kooperationsmehrwert den Wert der Summe der Einzeltätigkeiten, wird die Evolution in Richtung Kooperation angetrieben.

Wo: Campus Innenstadt – S1|15 Raum 0013 Institut für Psychologie

Wann: 11:00 Uhr, Dauer der Führung 1h

Leitung: Prof. Dr. Karl Th. Kalveram, Prof. Dr. mont. Mario Kupnik

Weitere Informationen zu dieser Begehung können Sie dem PDF entnehmen.

Zur Teilnahme an den Begehungen (Stichwort Begehung I und Begehung II) haben wir um Anmeldung bis zum 26. Oktober unter folgender gebeten. Die (begrenzten) Plätze wurden nach Eingang der Anmeldungen vergeben.

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des FiF gab es im Anschluss an die Messe und Workshops einen Festakt.

ab 16:30 Wilhelm-Köhler-Saal / S1|03 Raum 283 / Hochschulstraße 1

16:30 Uhr „Come Together“ Musikalischer Auftakt The Art of Jazztainment mit Anke Schimpf (Saxofon) und Stefan Kowollik (Gitarre)

17:00 Uhr Begrüßung Professor Dr. Hans Jürgen Prömel, Präsident der TU Darmstadt

17:15 Uhr Festrede Professor Dr. Petra Gehring „F“ wie „Forum“: Zum Bauplan des FiF

18:00 Uhr Schlußwort Professor Dr. Josef Wiemeyer, Direktor FiF

Anschließend fand ein festlicher Empfang mit musikalischer Begleitung im Foyer (Raum 284) statt.

Kooperationspartner

Für die freundliche Unterstützung dieser Veranstaltung danken wir dem Präsidium der TU Darmstadt sowie