Die Nutzung von Fusionsreaktoren und die nukleare Ordnung im 21. Jahrhundert
Forum am24. Januar 2013, 18:00 bis 20:30 Uhr | ULB S1|20 Raum 01 (UG) Magdalenenstraße 8
Das Ziel eines stromproduzierenden Fusionsreaktors wird seit einigen Jahrzehnten in aufwendigen Forschungs- und Entwicklungskonzepten verfolgt und eine Realisierung bis zur Mitte des Jahrhunderts angestrebt. Ein mögliches Risiko der Fusionstechnologie besteht dabei darin, dass derartige Reaktoren in der Lage sind, beachtliche Mengen kernwaffenfähigen Materials zu erbrüten. Nach den Erfahrungen mit der Weiterverbreitung und Weiterentwicklung (Proliferation) von Kernwaffen im Zusammenhang mit der Spaltreaktortechnologie sollte bei der Entwicklung der Fusionsenergieerzeugung frühzeitig darauf geachtet werden, dass das Potential einer militärischen Nutzung minimiert wird.
Cross Section of the PPCS-D model with Shielding Supraconduc-ting coils (magenta) and blankets (cyan), divertor (red). [1] D. Maisonnier et al. A Conceptual Study of Commercial Fusions Power Plants. EFDA-RP-RE-5.0, April 2005.
Die Veranstaltung resümierte im ersten Teil die Ergebnisse eines bei IANUS angesiedelten interdisziplinären Forschungsprojekts von Physikern und Politikwissenschaftlern zur Untersuchung des prinzipiellen Proliferationspotentials von zukünftigen Fusionsreaktoren, basierend auf magnetischen Einschlusskonzepten in Tokamak-Anordnung.
Dieses von der TU Darmstadt (2008) geförderte, genuin interdisziplinäre Projekt war selbst Gegenstand begleitender Forschung aus der Sprach- und Literaturwissenschaft zur inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit. Daher wurde im zweiten Teil der Veranstaltung auch über die interdisziplinären Herausforderungen dieses Typs problemorientierter Forschung diskutiert.
Quantifizierung möglicher proliferationsrelevanter Produktionskapazitäten von nuklearwaffenrelevanten Materialien in Fusionsreaktoren (Tokamak)
Bewertung des Proliferationspotentials von Fusionsreaktoren, Einschätzung ihrer Attraktivität für Kernwaffenprogramme in Verbindung mit realistischen Szenarien für die Entwicklung der globalen nuklearen Ordnung
Analyse des Einflusses der Fusionstechnologie auf die Nichtverbreitung von Kernwaffen unter Berücksichtigung der energie-, macht- und ordnungspolitischen Veränderungsdynamiken im 21. Jahrhundert und Rückkopplung mit der politikwissenschaftlichen Theorie der nuklearen Nichtverbreitung
Identifizierung von Regulierungslücken und Überprüfung der Anwendbarkeit des existierenden Instrumentariums zur Nichtverbreitung von Kernwaffen auf die Fusionstechnologie sowie Möglichkeiten einer Regimeevolution
Ausarbeitung von Vorschlägen für proliferationsresistente Gestaltungsmöglichkeiten und für nichtdiskriminierende Instrumente der nuklearen Nichtverbreitung (Governance-Perspektive)
Veranstaltungsbeginn: 18:00 Uhr
Ende: 20:30 Uhr
Themenblock I: Was sind Fusionsreaktoren? / Was sind die Potentiale?
18:00 – 18:30 Uhr Vortrag Dipl. -Phys. Giorgio Franceschini
18:30 – 19:00 Uhr Vortrag Dr. Matthias Englert
19:00 – 19:30 Uhr Diskussion
Themenblock II: Interdisziplinäres Forschen und Arbeiten
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