Nina Schwaiger

Akademisches Viertel am 10. Juni 2026 mit Nina Schwaiger

Herausforderungen für betriebliche Steuerungssysteme in der heutigen Zeit

Die Herausforderung:

Betriebliche Steuerungssysteme befinden sich aufgrund veränderter Bedingungen für Unternehmen in einem großen Wandel. Neue Arbeitsformen, insbesondere Homeoffice, sowie neue Anforderungen an Unternehmen verändern die Art und Weise, wie Beschäftigte und Organisationstrukturen koordiniert werden können. Gleichzeitig entstehen durch neue gesetzliche und gesellschaftliche Anforderungen Veränderungen innerhalb der Organisationen selbst. Steuerung muss also nicht allein über klassische Vorgaben erfolgen. Sie muss sich vielmehr an veränderte Arbeitsbedingungen und neue Anforderungen anpassen.

Aus dem Vortrag:

Betriebliche Steuerung beruht auf verschiedenen Elementen. Die Handlungssteuerung erfolgt unter anderem durch die Vorausplanung von Aktivitäten sowie durch formelle und informelle Standards, Programme und Vorgehensweisen. Dadurch sollen Aktivitäten zwischen verschiedenen Organisationseinheiten wie Teams oder Abteilungen koordiniert werden. Daneben steht die kulturelle Steuerung, bei der Ziele, Erwartungen und Normen des Unternehmens vermittelt werden. Hierzu gehören soziale Veranstaltungen sowie Mentoring-, Orientierungs- und Einführungsprogramme.

Anhand von Daten aus den Jahren 2019 und 2021 wird gezeigt, dass sich die Bedeutung und Ausgestaltung dieser Steuerungsformen unter veränderten Arbeitsbedingungen gewandelt haben. Besonders das Homeoffice stellt die bisherige Form der Koordination vor neue Anforderungen. Je nachdem, wie stark Beschäftigte im Homeoffice arbeiten, unterscheiden sich die Voraussetzungen für die Steuerung und Koordination von Arbeit.

Es stellt sich die Frage, wie sich regulatorische Veränderungen auf Organisationsstrukturen auswirken. Am Beispiel der Nachhaltigkeitsberichterstattung wird untersucht, wie Unternehmen Verantwortlichkeiten für ökologische und klimabezogene Themen innerhalb ihrer Organisation verteilen. Grundlage der Untersuchung sind unter anderem Daten des Carbon Disclosure Project (CDP). Betrachtet wird dabei, welche Personen auf der Unternehmensebene Verantwortung für klimabezogene Fragen übernehmen.

Im Zusammenhang mit der Non-Financial Disclosure Directive (NFRD) wird untersucht, ob neue Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung auch Veränderungen innerhalb der Unternehmen hervorrufen. Dabei wird insbesondere zwischen einer stärkeren Generalisierung und Spezialisierung von Verantwortlichkeiten unterschieden. Die gezeigten Ergebnisse verdeutlichen, dass Regulierung nicht nur Auswirkungen auf die externe Berichterstattung haben kann, sondern auch auf die interne Organisation und die Verteilung von Zuständigkeiten.

Perspektiven:

Die Beispiele aus dem Vortrag zeigen, dass betriebliche Steuerung nicht als statisches System verstanden werden kann. Veränderungen der Arbeitsorganisation, insbesondere durch Homeoffice, führen dazu, dass Unternehmen ihre bisherigen Formen der Koordination und Handlungssteuerung anpassen müssen. Wenn direkte Kontrolle und persönliche Zusammenarbeit abnehmen, gewinnen standardisierte Prozesse, Planung und andere Formen der Koordination an Bedeutung.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel der Nachhaltigkeitsberichterstattung, dass äußere Anforderungen die interne Organisation von Unternehmen verändern können. Regulierung wirkt damit nicht nur darauf, was Unternehmen berichten müssen, sondern kann auch beeinflussen, wo Verantwortlichkeiten innerhalb der Organisation liegen und wie diese organisiert werden.

Für die zukünftige betriebliche Steuerung bedeutet dies eine stärkere Verbindung verschiedener Steuerungsformen. Formelle Vorgaben, Planung und Standardisierung müssen mit kulturellen Formen der Steuerung verbunden werden. Gleichzeitig müssen Unternehmen auf neue Arbeitsformen und regulatorische Anforderungen reagieren können. Betriebliche Steuerung wird damit zunehmend zu einer Frage der Anpassungsfähigkeit von Organisationen an sich verändernde Rahmenbedingungen.