Düwell, Marcus

Zur Zunkunft der Menschenrechte mit Marcus Düwell am 23. November 2022.

Thema:

Zur Zukunft der Menschenrechte

Aus Vortrag und Diskussion:

Als Menschenrechte werden moralisch begründete, individuelle Freiheitsrechte bezeichnet, die jedem Menschen allein aufgrund seines Menschseins zustehen. Zur moralischen Dimension tritt indes auch eine rechtlich-politische. Menschenrechte sind insofern von Anfang an ein dynamisches Konzept. Und es ist der Zusammenhang dieser Dimensionen, der interessiert – und philosophisch erläutert werden muß.

Denn Menschenrechte haben nur dann eine Chance, wenn deutlich wird, daß sie auf die Transformationen des 21. Jahrhunderts eine Antwort geben. Das heißt auch: Sie können nicht als ein exklusiv europäisches Konzept gesehen werden (wie etwa noch bei Jellinek, der die Menschenrechte als Antwort auf die Religionskonflikte im Europa des 16. Und 17. Jahrhunderts verstanden hatte). Eine alternative Lesart legt sich nahe, die die Geschichte mit der Zukunft verbindet. Ihr zufolge können die Menschenrechte, wenn auch noch nicht wie in der Neuzeit egalitär gedacht, bis auf den Franziskanerstreit im 12. Jahrhundert zurückgeführt werden. Denn hier kommt erstmals der Gedanke auf, daß es Rechte auf (individuelle und kollektive ) Güter gibt, die der Mensch braucht, um seine Lebenschancen wahrnehmen zu können. Und somit kommt überhaupt der Mensch als Rechtsträger in den Blick.

Die Zukunftsperspektive kommt ins Spiel, wenn man darüber nachdenkt, welche Güter zukünftige Menschen brauchen, um ihrerseits als Menschen würdig leben zu können – Güter, die, wie wir aktuell sehen, basal, aber durchaus gefährdet sind: Wasser, Luft, Tiere. Die Überlegungen hierzu gehen von mehreren Annahmen aus. Sie gehen davon aus, daß es (a) auch in Zukunft Menschen geben wird, daß (b) diese Menschen mit uns eine bestimmte biologische und physische Konstitution teilen und daß wir (c) mit unserem Handeln ihre Lebenschancen beeinflussen bzw. schädigen können. Was also schulden wir künftigen Menschen? Und was ist für einen künftigen Schutz der Menschenrechte erforderlich? Auf drängende Fragen dieser Art sind Antworten zu finden, anstatt jetzt schon das Ende der Menschenrechte zu beschwören.