Roth, Stefan

Informatik: Visual Inference

Mehr zur Person

Die Herausforderung:

Die Veröffentlichung in digitalen pre-print Archiven bedeutet eine Beschleunigung der Publikationspraxis – ist das ein Fortschritt oder Rückschritt für die Wissenschaften?

Aus der Diskussion:

Für die Begutachtung wissenschaftlicher Publikationen gibt es verschiedene Verfahren, die in jeder Disziplin noch variiert und unterschiedlich eingeschätzt werden. Angefangen hat es mit der Briefkultur und es ist erstaunlich, wie schnell sich Entdeckungen, aber auch bloße Gerüchte im 17. und 18. Jahrhundert herumgesprochen haben. Schon die Transactions of the Royal Society hatte eine Art peer review System, das auf die Beglaubigung durch die Mitglieder wissenschaftlicher Akademien setzte. Heute gilt Double-Blind-Review als das beste, weil fairste System – und hat doch viele Probleme. Die Anonymität sei natürlich auch dann gewährleistet, entschied die Conference on Computer Vision and Pattern Recognition (CVPR), wenn Gutachter die Autorschaft im Internet ermitteln können. Diese, der sich wandelnden Publikationskultur geschuldete Entscheidung, wirft neue Fragen auf, wie die Fairness des Begutachtungsprozesses gewährleistet werden kann. Im Gegenzug gibt es die Tendenz, das Verantwortungsgefühl der Gutachter zu stärken, zum Beispiel durch Vergabe von Gutachterpreisen. Die Archivierung von pre-prints auf Internet Plattformen sieht von der Beglaubigung durch peer review ganz ab, dafür handelt es sich um schnell und leicht zugängliche, zitierfähige Publikationen.

Perspektiven:

Science 2.0, citizen science, eine stärker demokratisierte Forschung wird an verschiedenen Stellen gefordert – Exzellenz wird vorausgesetzt, Innovation das Qualitätskriterium. Womöglich könnte es in Zukunft sein, dass nur noch das regulär veröffentlich wird, was auf der Preprint Plattform genügend viele Klicks oder „likes“ erhalten hat. Was spricht dagegen und müsste ein zukünftiges System vor allem den Ansprüchen von NachwuchswissenschaftlerInnen gerecht werden?