Pfeifer, Felicitas

Biologie, Mikrobiologie und Archaea

Mehr zur Person

Die Herausforderung:

Was bedeutet es, dass die genetische Vielfalt von Mikroorganismen untersucht und genutzt werden kann, ohne die Mikroorganismen selbst dabei in den Blick nehmen zu müssen?

Aus der Diskussion:

Schon seit langem befindet sich die Biologie im Wandel. Naturhistorische, botanische, zoologische oder mikrobiologische Interessen werden im Forschungsbetrieb von molekularbiologischen und gentechnischen Ansätzen ergänzt. Auch wenn bisher nur weniger als 1% aller Mikroorganismen im Labor kultiviert werden können, lassen sich die Genome der restlichen 99% aus aufgefundenen DNA Sequenzen erschließen und können mit Hilfe der Metagenomanalyse Hypothesen über ihre Funktionen aufgestellt werden. Nur für die Prüfung dieser Hypothesen bedarf es zumindest bisher noch der Kultivierung im Labor entweder des Mikroorganismus oder bei katalytischen Proteinen eines Reaktionsgefäßes, an dem sich Funktionen beobachten lassen. Gegenüber dem klassischen Biologieverständnis, wonach Forscher Organismen aufsuchen, um dann ihre Eigenschaften zu studieren, geht es hier vornehmlich um einzelne Gene oder Gengruppen, die unter Auslassung des Organismus interessante Funktionen codieren. – Arbeitet die Biologie auf diese Weise militärischen Forschungsinteressen zu? Wie wichtig bleiben evolutionsgeschichtliche Gesichtspunkte, die durch die Entdeckung mikrobiologischer Vielfalt eine enorme Erweiterung erfahren haben? Und welche Auswirkungen hat dies ganz allgemein auf unser Verständnis biologischer Vielfalt, unsere Wertschätzung evolutionär herausgebildeter Organismen?

Perspektiven:

Es wird spannend sein, die weitere Entwicklung im Auge zu behalten – einerseits mit Blick auf immer wieder für die Grundlagenforschung interessante Ergebnisse, andererseits mit Blick auf Bioinformatik und synthetische Biologie und die Frage, ob es eines Tages möglich und praktisch sein wird, gewünschte Funktionalitäten durch die gezielte Synthese von nicht schon aufgefundenen Genen zu erzielen. Werden rein morphologische oder physiologische Analysen jemals ohne ein entwicklungsgeschichtliches Verständnis auskommen können?