Gelhard, Andreas

FiF 2009-2014

Mehr zur Person

Die Herausforderung:

Wie lässt sich „Freiheit der Forschung“ sinnvoll auf die Zusammenarbeit an einer Universität – und insbesondere die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Disziplinen – beziehen?

Aus der Diskussion:

Die gegenwärtige Neigung, Fragen der Forschungsfreiheit vor allem als ethische Fragen aufzufassen – „Was darf Forschung?“ – führt nicht weiter. Auch ein bloßer Verweis auf die Humboldtsche Basisforderung nach Freiheit von staatlichen Eingriffen (bei voller staatlicher Finanzierung) wäre unter den derzeitigen Bedingungen wenig erfolgversprechend. Eine wirkliche Herausforderung bleibt aber Humboldts Versuch, das Verhältnis des Frei-Lassens, in dem er Staat und Universitäten sieht, auch auf das „Zusammenwirken“ der Forscher innerhalb der Universität auszudehnen. Gerade die Praxis der interdisziplinären Arbeit zeigt, dass sich Zusammen Forschen weder einfach nach dem Muster industrieller Arbeitsteilung organisieren lässt, noch je dem Ideal einer großen Forscherfamilie mit einer gemeinsamen Sprache entsprechen wird. Gefordert ist daher eine Form von Zusammenarbeit, in der sich die Beteiligten über die gemeinsame Sache verständigen können, ohne die je eigene Sprache und fachliche Identität aufgeben zu müssen und ohne den Sinn für die nicht planbare Dynamik innovativer Prozesse zu verlieren. Genau diese Form von Zusammenarbeit versucht Humboldt in seiner bekannten Denkschrift von 1810 zu formulieren: Weder bloß geplante Arbeitsteilung noch glückliche Symbiose der Wissbegierigen, sondern ein freies „Zusammenwirken“ der Forschenden, das sich nur bottom up – aus den geteilten Fragestellungen – ergeben kann. Können wir auf Interdisziplinarität hoffen, die an dem kritischen Selbstverhältnis der Universität anknüpft – in einer Zeit, da Interdisziplinarität vor allem eine Forderung an die innovative Nützlichkeit der Forschung ist? Muss die Idee der Universität als kritischer Instanz ausdrücklich reflektiert und kultiviert werden, damit nicht etwa „Freiheit der Forschung“ mit „Wertfreiheit der Forschung“ gleichgesetzt wird? Und welche Rolle können hierbei Analysen kontroverser wissenschaftlicher Forschung spielen?

Perspektiven:

Das programmatische Selbstverständnis des FiF als „offene Plattform“ verweist auf das Humboldtsche Ideal eines freien Zusammenwirkens der Forscher, das sich nur aus deren eigener Arbeit entwickeln kann und daher eher moderierende als regulierende Unterstützung braucht. Gerade weil das FiF klein ist, kann es diese Aufgabe sehr effektiv und beweglich angehen. Zentrale Bedeutung kommt dabei den Impulsen der FiF-Fellows und der Kooperation mit anderen inner- und außeruniversitären Forschergruppen zu (darunter IANUS, SciCore, KOM und UKP, aber auch Institute, Forschergruppen und Graduiertenkollegs in Frankfurt, Oldenburg, Zürich, Wien und Blacksburg).