Darknet

Code and Conduct: Hackerethiken von MIT bis Darknet

Wann: 2019

Wo: Vortragssaal der ULB S1|20 Untergeschoss

Den genauen Termin geben wir noch bekannt.

Im kommenden Jahr diskutieren wir einen Tag an der TU Darmstadt über Hacker, ihre Ethiken, Praxen und die diese Praxen ermöglichenden bzw. in diesen Praxen entstehenden Techniken und Infrastrukturen. Historisch wird dabei der Bogen von den Ursprüngen der ‚Hackerkultur‘ am AI LAB des MIT (um 1960) bis zu den momentan im Schlaglicht der Öffentlichkeit stehenden Technologien der ‚Darknets‘ gespannt. Ziel des Workshops ist es, Distanzen, Relationen und Bedingtheiten zwischen Selbstbeschreibungen der Hackerszene, relevanten Techniken und aktuellen Praxen in gemeinsamer Arbeit zu eröffnen und zu problematisieren.

Mit einem Schwerpunkt auf geistes- und sozialwissenschaftliche Fragestellung wird mit Berücksichtigung technischer Aspekte (beispielsweise der Design-Entscheidungen und Handlungsermöglichungen bei Tor) ein Bogen von den sich als Ethiken oder Manifeste präsentierenden Selbstvergewisserungen aus dem Bereich des digitalen Aktivismus (von der „Hackerethik“ [1984], dem „Hacker Manifesto“ [1986], dem „Crypto Anarchist Manifesto“ [1992], der „Declaration of Independence of Cyberspace“ [1996] bis zu Anonymous' „Rules of the Internet“ [2009]) bis zu den daran motivierten technischen und institutionellen Einrichtungen – etwa das durch Tor aufgespannte Darknet oder Organisationen wie der CCC – sowie zu den durch sie ermöglichten und in ihnen realisierten Praxen (Nutzungspraktiken im Darknet, Abweichendes Verhalten, Kriminalität, digitaler Aktivismus) gespannt.

Der Titel „Code and Conduct: Hackerethiken von MIT bis Darknet“ verweist auf einen weiten Bogen: Der Untertitel markiert die Untersuchungsgegenstände, nämlich Hackerethiken von ihrem Entstehungskontext (am AI LAB des MIT um 1960, erstmals publiziert durch Steven Levy 1984) bis heute, während die Überschrift „Code and Conduct“ die zu betrachtenden Aspekte hervorhebt: So verweist „Conduct“ auf Verbindungen (Conductor als Technik ebenso wie Conduct als Steuerung) und Verhalten (Conduct als Praxis), während „Code“ ein semantisches Feld in seiner ganzen Breite aufruft: Programmcode, Verhaltenscode/-normen, Zugangscodes, Geheimnisse, soziale Codes der Zugehörigkeit, aber auch Codes der Repräsentation.

Unsere Ausgangsüberlegung ist, dass die formulierten Hackerethiken in Reaktion auf Ereignisse (z.B. Gesetzgebungen) geschrieben wurden, während sie ihrerseits die Einrichtung technischer Systeme (z.B. Tor als System zur Umgehung von Zensur) oder sozialer Institutionen (z.B. CCC als Plattform für digitalen Aktivismus) inspirieren. Diese Einrichtungen bestimmen allein aufgrund ihrer technischen und organisatorischen Verfasstheiten Nutzungspraktiken, die von den ursprünglichen Zielen nicht nur nicht mehr determiniert sind, sondern als spezifische Aneignungen der technisch vermittelten Handlungsbedingungen aufzufassen sind. So ist im Darknet beispielsweise auch Kriminalität zu finden, oder Hacker-Organisationen weisen durch eine Kultur der Meritokratie mitproduzierte, eigene Machtformen auf, die in der Praxis intransparente und hierarchische Strukturen sowie eine starke Orientierung an impliziten Normen hervorzubringen scheinen. Die Verhandlung der Grenzen legitimen Verhaltens zieht sich dabei durch alle Fragestellungen: Die Hackerethiken deklarieren Positionen, d.h. sie definieren Ziele und grenzen nach ‚außen‘ ab; die technischen und organisatorischen Einrichtungen implementieren augenscheinlich jene Deklarationen, indem sie als Mittel für die deklarierten Ziele vorgestellt werden und beispielsweise die Gewährleistung von Anonymität technisch vereinfachen und Zensur erschweren; die damit bedingten konkreten Praxen übersteigen ihrerseits Deklaration und Implementation, wenn sie technisch vermittelt eigene unvorhergesehen Dynamiken oder spezifische Formen problematischen oder problematisierbaren Verhaltens hervorbringen. Der Workshop fragt damit jenseits eines Verweise auf etwaige Missverhältnisse zwischen Deklaration und Praxis nach den Bedingungen und Effekten einer digitaltechnischen Vermittlung zwischen beiden.

Zum Format: Geplant ist ein eintägiger Workshop am 12. Oktober 2018, der gerahmt von einem Eröffnungsvortrag und einem Schlusspanel drei sequentielle Tracks von 90 Minuten mit je zwei Vorträgen und einer Respondenz vorsieht. Die Tracks schließen jeweils mit Panel- und Plenumsdiskussion ab.

Partner_innen:

  • „PANDA – Parallelstrukturen, Aktivitätsformen, Nutzerverhalten im Darknet“, BMBF-gefördertes Verbundprojekt
  • Institut für Philosophie, TU Darmstadt
  • Fakultät für Kulturreflexion, Universität Witten/Herdecke
  • FraunhoferSIT, Darmstadt

Kontakt:

  • Kai Denker
  • Robert Landwirth