Tag der Interdisziplinarität

Videofilm zur Organisation und Arbeitsweise des FiF: Das FiF stellt sich vor

1. Tag der Interdisziplinarität am 28. Januar 2016 : Einblicke in die Forschung

Annamartha pixelio
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Interdisziplinarität bestimmt in unterschiedlichsten Ausprägungen den universitären Forschungsalltag und ist ein wesentliches Moment des Selbstverständnisses der TU Darmstadt. Ein „Tag der Interdisziplinarität“ sollte dies für die Öffentlichkeit ausdrücklich machen. Er hat erstmals am 28. Januar 2016 stattgefunden. In der Woche vor dem Tag der Interdisziplinarität gab es begleitend Ausstellungen im Karo5 sowie im Foyer des Hörsaal- und Medienzentrums der Lichtwiese.

Rückblick auf den 1. Tag der Interdisziplinarität – Einblicke in die Forschung

Das Forum interdisziplinäre Forschung veranstaltete am 28. Januar 2016 den 1. Tag der Interdisziplinarität, um über den Universitätsalltag hinaus dem Austausch zwischen den Disziplinen ein Forum und der Öffentlichkeit Einblicke in interdisziplinäre Forschungsprojekte der TU Darmstadt zu geben. Prof. Dr. Josef Wiemeyer, Direktor des FiF, ergänzte diesen Anspruch in seiner Begrüßungsrede um die Stichworte Kommunikation und Vernetzung, die sich durch Neugier und eine vitale Streitkultur an den Rändern der Disziplinen zu Innovationen verdichten können. Dabei wurde schon eingangs deutlich, dass mit der Veranstaltung nicht nur über Aktivitäten an der Hochschule informiert, sondern auch über die Praxis gelungener Interdisziplinarität nachgedacht werden sollte.

Neben einer Dauerausstellung im Karo 5 in der Stadtmitte zu den Themen Energie, Technik-Informatik und Mensch-Technik-Politik fand eine einwöchige Posterausstellung einer Vielzahl von Projekten aus unterschiedlichen Bereichen im Foyer des Hörsaal- und Medienzentrums des Campus Lichtwiese statt, um auf das Ereignis aufmerksam zu machen. Die Posterpräsentationen wurden am Tag der Interdisziplinarität von einigen Projekten durch Modelle, Simulationen oder Spiele ergänzt, so dass Interessierte auch in den gemeinsamen Austausch über Projekte treten konnten. Der 1. Tag der Interdisziplinarität gab auch Verantwortlichen von Forschungsprojekten im Rahmen eines Vortrages die Möglichkeit, selbst zu Wort zu kommen und über vergangene und bestehende Forschungsaktivitäten zu berichten. Darüber hinaus sollten deren Befunde und Ergebnisse vorgestellt werden. Ein get-together in der Mittagspause sollte zusätzlichen Raum für informelle Gespräche bieten, zu neuen Ideen anregen und idealerweise auch schon künftige Forschungsfelder ausloten. Gegen Ende des Tages leitete Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Rödel mit einem “Grußwort des Präsidiums” die abschließende Podiumsdiskussion ein.

Podiumsdiskussion – Interdisziplinarität als Form, Forderung, Diagnose oder Reform?

Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. Nina Janich (Germanistische Linguistik), Prof. Dr. -Ing. Stephan Rinderknecht (Mechatronische Systeme im Maschinenbau) sowie, mit jeweils einführenden Stellungnahmen, Prof. Dr. -Ing. Ralf Steinmetz (Elektrotechnik und Informationstechnik) und Prof. Dr. Christoph Hubig (Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur) über sich aufdrängende Fragen einer interdisziplinären Herangehensweise an Problemstellungen. Dabei wurden nicht nur Abgrenzungen zwischen Begriffen wie Transdisziplinarität, Multidisziplinarität, die im Diskurs um Interdisziplinarität immer wieder auftauchen, vorgenommen, sondern auch erörtert, inwiefern Förderstrukturen verbessert werden könnten, damit Projekte auch nach einer Anschubfinanzierung, wie sie beispielsweise das FiF ermöglicht, weiter finanziert werden. Dies gestalte sich oftmals noch schwierig, so die Erfahrungen des Podiums.

Vor allem auch in der Lehre scheint Interdisziplinarität noch wenig institutionalisiert zu sein, weshalb es Einzelkämpfer schwer haben und über Prozesse der Verstetigung nachgedacht werden sollte. Würde es Sinn ergeben, Interdisziplinarität als eine Art Propädeutikum am Studienanfang zu etablieren, oder bedarf es zunächst einer Identitätsbildung innerhalb der eigenen Disziplin, bevor man den Blick über den eigenen Tellerrand wagt? Und wann wäre dann der optimale Zeitpunkt dafür? Manche Disziplinen sind schon per se interdisziplinär angelegt, wie zum Beispiel die Mechatronik oder die Linguistik. Was macht also im Lichte der Interdisziplinarität überhaupt Disziplinarität aus, oder ließe sich sogar fragen, wann etwas nicht interdisziplinär ist?

Warum überhaupt zwischen Disziplinen vermitteln?

Heißt interdisziplinäres Arbeiten, zwischen den Stühlen zu sitzen, also auf keinem der beiden so wirklich Platz zu finden? Interdisziplinarität um ihrer selbst willen oder aufgrund von besonderen Förderungsformaten oder gar Karrieregründen sollte nicht zur Praxis wissenschaftlichen Arbeitens werden, wenn Forschung weiterhin bestimmte Qualitätsstandards erfüllen soll. Damit Disziplinen zusammen in noch dunklen Bereichen suchen und besser finden können, muss es einen Problemdruck geben, der das Zusammenspiel zwischen einzelnen Feldern gerade erforderlich macht. Interdisziplinarität ist kein Selbstzweck, sondern wird erforderlich, wenn ein Problem mittels einer einzigen Disziplin nicht lösbar ist. Dabei kann nur voneinander gelernt werden, sofern Komplex-Begriffe nicht von einer Disziplin hoheitlich beansprucht werden und Disziplinen sich gegenseitig vertrauensvoll wertschätzen und offen miteinander kommunizieren. Besondere Strukturmomente, durch die gemeinsame Arbeit zwischen Disziplinen erfolgreich sein kann, sind durchaus auszumachen. Sie sind allerdings nicht regel- und planbar, sondern abhängig vom jeweiligen Team und somit immer aufs neue eine besondere Herausforderung im Dialog der Disziplinen.

Impressionen vom 1. Tag der Interdisziplinarität

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21. Januar bis 28. Januar 2016 Posterausstellung zu interdisziplinären Forschungsprojekten an der TU Darmstadt im Foyer des Hörsaal- und Medienzentrums der Lichtwiese

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11. Januar bis 26. Februar 2016 Interdisziplinäre Forschung an der TU Darmstadt, Dauerausstellung in der Stadtmitte im Karo5

Ausstellung im Karo 5: Karolinenplatz 5 | 64289 Darmstadt
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Ausstellung im Karo 5: Karolinenplatz 5 | 64289 Darmstadt

Tagungsprogramm

Tagung 28. Januar 2016

09:15 – 09:30 Begrüßung Prof. Dr. Josef Wiemeyer, FiF Direktor
HMZ Raum L402 201

09:30 – 12:00 Uhr HMZ Raum L402 201
Vortragsprogramm L402 201

12:00 – 13:00 Uhr Get together – Mittagspause
HMZ Raum L402 74 Foyer

13:00 – 16:00 Uhr Vorträge HMZ Raum L402 201
Vortragsprogramm L402 201

13:00 – 16:00 Uhr Vorträge HMZ Raum L402 202
Vortragsprogramm L402 202

Podiumsdiskussion 16:00 bis 17:30 Uhr

„Grußwort des Präsidiums“ Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Rödel

Einstieg in die Diskussion mit Kurzstatements von Prof. Dr.-Ing. Ralf Steinmetz und Prof. Dr. Christoph Hubig

Podiumsteilnehmer:
Prof. Dr. Christoph Hubig, Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur
Prof. Dr. Nina Janich, Germanistische Linguistik
Prof. Dr.-Ing. Stephan Rinderknecht, Mechatronische Systeme im Maschinenbau
Prof. Dr.-Ing. Ralf Steinmetz, Elektrotechnik und Informationstechnik

Moderation: Prof. Dr. Josef Wiemeyer, Sportwissenschaft, FiF Direktor

Vorträge

Berichte aus der „Förderinitiative interdisziplinäre Forschung“ an der TU Darmstadt

09:30 – 09:50 Uhr / Raum 201 : Entwicklung Systemischer Instrumente zur Nachhaltigkeitsbewertung energetischer Gebäudesanierungen

09:55 – 10:15 Uhr / Raum 201 : Messung und Bewertung der Erwärmung von erdverlegten Mittel- und Niederspannungskabeln

10:20 – 10:40 Uhr / Raum 201 : Reduzierung des Gebäudewärmebedarfs mittels geothermischer Speicher: Entwicklung eines interagierenden Simulationsmodells

10:45 – 11:05 Uhr / Raum 201 : Rückkehr der Mühlen? Historische Standorte und künftige Potenziale dezentraler Wasserkraftnutzung in Deutschland

11:10 – 11:30 Uhr / Raum 201 : Serious Games for Bioinformatics

11:35 – 11:55 Uhr / Raum 201 : Grundlagentechnologien für nutzerfreundliche, energieeffiziente, aktive Beinprothesen

15:35 – 15:55 Uhr / Raum 202 : INSTANT HOMES

Vorträge „Mensch-Technik-Politik“

13:05 – 13:25 Uhr / Raum 201 : Wer verantwortet was? Neue Formen der Mensch-Technik-Interaktion

13:30 – 13:50 Uhr / Raum 201 : Konfliktminderung und Friedenssicherung als wissenschaftliche Werte

13:55 – 14:15 Uhr / Raum 201 : Interdisziplinäres Design genetischer Schaltkreise

14:20 – 14:40 Uhr / Raum 201 : Europäische Energieaußenpolitik mit Schwellenländern

15:10 – 15:30 Uhr / Raum 201 : Automatisierte Erstellung von informativen und stilistisch homogenen Dossiers aus heterogenen Textquellen

15:35 – 15:55 Uhr / Raum 201 : Digitale Textanalytik in den Geistes-, Sozial- und Bildungswissenschaften

Vorträge zum Thema „Technik-Informatik“

13:05 – 13:25 Uhr / Raum 202 : Natur und Staat: Automatische Metapherndetektion im biopolitischen Diskurs des 20. Jahrhunderts

13:30 – 13:50 Uhr / Raum 202 : Promotionskolleg “Knowledge Discovery in Scientific Literature“

13:55 – 14:15 Uhr / Raum 202 : Namenforschung digital – Neue Formen der Erschließung und Dokumentation

14:20 – 14:40 Uhr / Raum 202 : Digitales Forschen und Lehren in den Geisteswissenschaften

14:45 – 15:05 Uhr / Raum 202 : Vom Papyrus zur digitalen Paläographie: Dokumentation und Analyse von drei Jahrtausenden altägyptischer Kursivschriften

14:45 – 15:05 Uhr / Raum 201 : Technisch-akustische und psychoakustische Analyse von Getriebegeräuschen

15:10 – 15:30 Uhr / Raum 202 : Skriptorium, Codex, Layout: Digitale Handschriftenforschung

Für die freundliche Unterstützung dieser Veranstaltung danken wir:

„Vereinigung von Freunden der Technischen Universität zu Darmstadt e.V.“
Schenck RoTec GmbH
Sparkasse Darmstadt
Carlo und Karin Giersch Stiftung